„Das
Private ist das Politische“
In der grassierenden Politik- und Demokratieskepsis artikulieren sich
Widerwillen und offene Ablehnung, die antik geprägten und tausendfach
überformten, hochtönenden Formeln von Freiheit, Gerechtigkeit und
Demokratie noch länger dem Gehalt realer gesellschaftlicher Prozesse zu
unterlegen. Kann Politik überhaupt theoretisch mit fein ziselisierten
Instituten erfasst werden, die auf dem Reißbrett des Philosophen more
geometrico konzipiert werden? Könnte man nicht „Politik“ das
allgemeinste Instrument nennen, das erst der Verwender für seine je
spezifischen Zwecke formt, so wie es eine Theologie der Offenbarung
gibt, der dann eine Theologie der Befreiung oder eine Theologie „von
unten“ konfrontiert werden. Und doch soll nur ein Gott sämtliche Zuständigkeitsprobleme
lösen. Aber bekanntlich kam es ja in irdischen Angelegenheiten noch
schlimmer: „Das Private ist das Politische“. Ob Dieter Kunzelmann
seine Orgasmusprobleme öffentlich aufdrängte oder Studentinnen in den
1970ern „Mein Bauch gehört mir“ skandierten, diese Politiken
verlassen die aristotelischen Markierungen zwischen Heim und Marktplatz
zugunsten der politischen Totalität aller Lebensverhältnisse. In der
globalen Oikopolis kann kein Gegenstand noch länger reklamieren, nicht
politisch zu sein, während klassische Politik als symbolschwaches
Inszenierungstheater oder arkane Machtpolitik pervertiert.
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