Medien

Action

Texte über Medien, Technik und Wirklichkeit.

Bewegung und Körper

Die Lust an der Folgenlosigkeit

Der Actionfilm ist weniger Erzählung als angewandte Kinematik. Körper, Fahrzeuge und Gegenstände werden auf ihre Bewegungsfähigkeit geprüft; Psychologie würde nur die Beschleunigung stören. Ein Held muss nicht glaubwürdig sein, solange seine Flugbahn stimmt.

Gewalt wird dabei lustvoll, weil sie ihre moralische Schwere gegen Rhythmus eintauscht. Der Schlag ist Schnitt, der Sturz eine geometrische Figur, die Explosion ein Satzzeichen. Was außerhalb des Kinos Verletzung und irreversible Folge wäre, erscheint als präzise organisierte Bewegung. Die Folgenlosigkeit ist nicht naiv. Gute Actionfilme stellen sie offen aus: Niemand verwechselt den Stunt mit dem Alltag, gerade weil seine Künstlichkeit den Genuss ermöglicht.

Jason Statham verkörpert diese Reduktion mit besonderer Konsequenz. Das Gesicht wird zur funktionalen Oberfläche, der Anzug zur Karosserie, der Körper zum verlässlichen Werkzeug des Bildes. Handlung bedeutet dann nicht mehr dramatische Entwicklung, sondern die Anordnung von Widerständen, an denen Bewegung sichtbar werden kann. Der Actionkörper besitzt keine Biografie; er hat Timing.

Das Genre erreicht seine Wahrheit nicht durch Realismus, sondern durch die Genauigkeit seiner Choreografie. Es zeigt eine Welt, in der Folgen in Bewegungen aufgehen und Schuld vom nächsten Schnitt überholt wird. Man mag das Eskapismus nennen. Doch auch Eskapismus benötigt eine sehr genaue Tür.

Historisches Notat

Transporter - Mission "Mission" Jason Statham ist eine Art James Bond für Arme. "Transporter" ist ein pures Arrangement von Elementen, die fast beliebig variiert werden könnten. Statham spielt nicht unterkühlt, im Prinzip ist er Teil des mise en scène, ohne dass der Akteur noch ein Gesicht benötigte. Nicht einmal der Begriff "Charaktermaske" passt, weil die Simulation eines Komplettcharakters viel zu aufwändig wäre. Wir erleben die pure Inszenierung, das Drama ist in der Handlung verschwunden. Das allerdings verhehlen diese Filme nicht, sodass sie also nicht Teil einer Illusionsmaschine sind. Ihre "stunts" prätendieren erst gar nicht, jenseits des Kinos zu existieren. Kurzum, Wahrheitsfähigkeit ist hier - wie in anderen Fällen - keine medial relevante Kategorie. Recht eigentlich sind es Fachdiskurse von Stunt-Spezialisten, die dem Publikum auch schmecken - so wie man beim Kuchenbacken angerührten Teig mag.