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Bonn-zen

Ein Rheinpanorama zwischen Festspielhaus, Chinoiserie und urbaner Wunschmaschine.

Städte entstehen nicht nur aus Straßen, Grundstücken und Beschlüssen. Sie bestehen auch aus Bildern dessen, was an ihrer Stelle stehen könnte. Der Entwurf verändert den Ort schon, bevor etwas gebaut wird: Er legt eine fremde Form über das Vertraute und prüft, wie viel Unwahrscheinlichkeit ein Stadtbild verträgt.

Fotomontage eines chinesisch anmutenden Festspielhauses im Bonner Rheinpanorama
Gestalte deine Stadt Bonn als Chinoiserie · Copyright 2009 Goedart Palm

Die Stadt als Projektion

Das Rheinpanorama liefert die scheinbar feste Bühne: Wasser, Ufer, Schiffe, Himmel. In dieses Bild setzt sich eine Architektur, die ihre Fremdheit nicht verbergen will. Das Gebäude ist zu groß, zu entschieden und zu bildhaft, um als beiläufige Planung durchzugehen. Es behauptet keine realistische Lösung. Es macht sichtbar, dass auch der seriöse Entwurf zunächst eine kulturelle Projektion ist.

Die Chinoiserie steigert diesen Vorgang ins Offene. Sie ist nicht der Versuch, einen anderen Ort korrekt abzubilden. Sie arbeitet mit einem kulturellen Zeichen, das im Bonner Panorama sofort lesbar und zugleich unpassend erscheint. Gerade diese Unpassendheit ist produktiv. Sie unterbricht die Gewöhnung an die Stadt und legt frei, wie viele ihrer vertrauten Formen ebenfalls einmal gesetzte Behauptungen waren.

Das Absurde ist dabei kein Gegenargument zur Planung. Es ist ein Prüfverfahren. Eine übertriebene Lösung zeigt deutlicher als ein moderater Entwurf, welche Wünsche sich an ein Gebäude heften: Repräsentation, Weltläufigkeit, Festlichkeit, Einmaligkeit. Das Festspielhaus soll nicht nur Raum bieten. Es soll ein Zeichen sein. Sobald dieser Anspruch ernst genommen wird, nähert sich Stadtplanung unweigerlich der Bühne.

Historisches Fragment

Beethoven - Festspielhaus als Zeichen der Völkerverständigung,

zugleich postmodern...hier wird zugleich deutlich, dass man die Standortfrage viel offensiver angehen muss.

Ein Bild, das nicht gebaut werden muss

Die Montage muss nicht verwirklicht werden, um in die Stadt einzugreifen. Ihr Ort ist die Vorstellung. Dort kann sie gleichzeitig Vorschlag, Karikatur und Sehnsuchtsbild sein. Sie zeigt Bonn als überblendete Stadt: real genug, um erkannt zu werden, und fremd genug, um für einen Moment anders gesehen zu werden.

Vielleicht ist das die präziseste Funktion solcher Entwürfe. Sie liefern keine fertige Zukunft, sondern lockern die Gegenwart. Das Bild widerspricht der Behauptung, der sichtbare Ort sei selbstverständlich. Für einen kurzen Augenblick wird das Rheinpanorama zur freien Fläche – und die Standortfrage zu einer Frage der Einbildungskraft.