
Nietzsche und Sils-Maria
Nietzsche gehört zu den Philosophen, zu denen ich immer wieder zurückgekehrt bin. Nicht nur über Texte. Zweimal habe ich in Sils-Maria in jener Pension gewohnt, in der auch Nietzsche lebte. Dadurch bekommt die berühmte Verbindung zwischen Philosoph und Landschaft etwas weniger Mythologisches und zugleich etwas Eindringlicheres. Die Wege, die Seen, die Hänge und das Licht des Engadins sind keine Fußnoten zu Nietzsche – aber wenn man die Gegend kennt, versteht man vielleicht besser, warum dieser Ort in seinem Denken eine solche Rolle spielen konnte.
Sils ist für mich deshalb weder Nietzsche-Gedenkstätte noch bloße Ferienerinnerung. Der Ort verbindet Lektüre und eigene Erfahrung. Von hier führen die Wege weiter ins Engadin, zum Waldhaus, nach St. Moritz und in eine Landschaft, die sich mit den Texten eigentümlich verschränkt.
Das Nietzsche-Haus, die Erinnerung an sein Zimmer und die Landschaft um Sils-Maria bilden auf dieser Website seit Langem einen eigenen Bild- und Textraum. Entscheidend ist dabei nicht die touristische Spurensuche. Interessanter ist, wie ein gelesener Ort und ein tatsächlich gekannter Ort einander verändern.
Zweimal in Sils
Die beiden Aufenthalte in der Pension, in der Nietzsche lebte, haben die Lektüre nicht erklärt, aber ihr einen konkreten Raum gegeben. Haus, Wege und Landschaft treten neben die Texte, ohne deren Bedeutung festzulegen. Die persönliche Kenntnis von Sils-Maria und dem Engadin reicht dabei über einen einzelnen Erinnerungsort hinaus: Sie verbindet den Ort mit dem Waldhaus, mit St. Moritz und mit den wechselnden Perspektiven dieser Landschaft.
Gerade diese Verbindung von Nähe und Distanz interessiert mich. Nietzsches Sils ist historisch besetzt; das eigene Sils bleibt gegenwärtige Erfahrung. Beides fällt nicht zusammen, kann aber bei jeder erneuten Lektüre miteinander ins Gespräch kommen.


Nietzsche lesen
Die folgenden Seiten zeigen unterschiedliche Formen der eigenen Beschäftigung: autobiografische Lektürespuren, Satire, philosophischer Essay und die Verbindung von Nietzsche mit dem Ort Sils.
Frühe und prägende Lektüre
Eine persönliche Notiz über die erste Begegnung mit Nietzsche, das Vergnügen am Aphorismus und den Aufenthalt in Sils-Maria.
Nietzsche-Meditationen und Mini-Satire
Eine ältere Text- und Bildseite zwischen Sils-Motiv, Nietzsche-Lektüre und satirischer Umschrift.
Zarathustra ad portas?
Ein ausführlicher eigener Essay über Anthropotechnik, Bioethik und die philosophische Figur des neuen Menschen.
Sils III: Bildmontagen
Frühere visuelle Arbeiten zum Nietzsche-Haus, zum Engadin und zur Überlagerung von Ort und Vorstellung.
Nietzsche-Bilder
Porträt, Erinnerungsort und historische Imagination erfüllen hier verschiedene Aufgaben: Sie dokumentieren, montieren und brechen das vertraute Nietzsche-Bild.



